Woher kommt der Vorhang? | Wohngeschichte Teil 3

Geschichte, Herkunft & Definition
Ein Schloss mit opulenten Vorhängen in Braun mit goldenen Rändern
Ein mittelalterliches Schloss mit opulenten Vorhängen

In unserer 3-teiligen “Wohngeschichte”-Serie sehen wir uns Textilien und Möbelstücke an und beleuchten ihre Herkunft, Geschichte und Entwicklung bis heute. Im ersten Teil war das Sofa an der Reihe und im zweiten haben wir uns dem Teppich gewidmet. In dieser Folge nehmen wir die Vergangenheit des Vorhangs unter die Lupe. Wer hat den Vorhang erfunden und woher stammt die Bezeichnung? – Diese und weitere Fragen klären wir jetzt.

Definition - Was ist ein Vorhang?

Ein gelber Vorhang an einer Vorhangstange aus Holz

Unter einen Vorhang versteht man eine größere Stoffbahn, die zum abhängen oder abdunkeln eines Raumes oder eines Gegenstandes genutzt wird. Im Haushalt schützen sie vor neugierigen Blicken und dunkeln das Schlaf- und Wohnzimmer für die Nachtruhe ab. Sie hängen an einer Vorhangstange und reichen oftmals bis zum Boden. Neben Baumwolle werden heute viele weitere Textilien für die Herstellung eines Vorhangs eingesetzt.

Der Unterschied zwischen Gardine und Vorhang

Die breite Mehrheit verwendet die Begriffe “Vorhang” und “Gardine” als Synonyme. Dies ist jedoch nicht richtig. Grundsätzlich bezeichnet man die Fensterdekoration unmittelbar am oder vor dem Fenster als Gardine. Sie ist außerdem nicht so lang, schwer und dick wie der Vorhang. Die Vorhänge befinden sich seitlich am Fenster.

Woher kommt das Wort “Vorhang”?

Es es ist nicht genau bekannt, woher der Begriff “Vorhang” tatsächlich stammt. Es wird angenommen, dass das lateinische “cortina” beziehungsweise das griechische “cors”, “cortis” als Herkunft genutzt wurden. Sie alle bedeuten übersetzt so viel wie “Vorhang”.

Woher kommt das Wort “Gardine”?

Der Begriff “Gardine” stammt vom niederländischen Begriff Wort “gordijn” ab. Doch auch der französische “courtine” könnte als Herkunft angesehen werden. Beide Begriffe bedeuten übersetzt so viel wie “Bettvorhang”. Schließlich wurden die ersten Gardinen nicht immer als Fensterdekoration verwendet. Sie schützen vor Fliegen, Mücken und anderen nächtlichen Störungen.

Die Vorhang Geschichte - Fensterdekoration mit Tradition

Eine Statue eines ägyptschen Pharaos

Wann wurde wohl der erste Vorhang der Geschichte aufgehangen? – Nun, diese Frage weiß wohl niemand zu beantworten. Fakt ist aber, dass bereits die alten Völker rund ums Mittelmeer auf die nützlichen Textilien vertrauten. Sie schützen vor neugierigen Blicken und Sonnenlicht und dunklen die Schlafräume in den Nacht- und Morgenstunden ab.

Der Vorhang bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern

Vorhänge werden von Menschen seit der Antike verwendet. Gerade in der Mittelmeerregion, wo tagsüber viel Sonne scheint, schützen Vorhänge vor dem UV-Licht. Sie hatten bei den Ägyptern und Griechen als auch bei den Römern einen kühlenden Effekt. Für die Herstellung verwendet wurden dünne Baumwolle, Seide und Leinen. Sie waren luftig und leicht.

Vorhänge im Mittelalter

Den hübschen Burgfräulein und Rittern des Mittelalters waren die Vorteile des Vorhangs ebenso bekannt. Doch auch Adlige und Könige schmückten ihre Schlösser und Burgen mit den Textilien. Der Vorhang schützte vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und Blicken fremder. Jedoch verwendete man in Europa dickere Stoffe, die gleichzeitig vor der Kälte schützten. Das galt im besonderen für die Türvorhänge, die die Wärme im Raum halten sollten.

Der Vorhang in der Moderne

Ein weißer Vorhang mit goldenen Rändern und goldenen Verzierungen mit durchsichtger Gardine

Nachdem das Mittelalter die Weichen gelegt hatte, führte man im 20. Jahrhundert den Trend fort. Nun waren nicht nur Stoffe, Muster und Farbe wichtig, der Vorhang musst nun auch Fransen, Ränder und Co. haben. Besonders die Biedermeier-Vorhänge, die in Einichtungsstilen wie den Landhausstil zum Einsatz kommen, haben ein Zeichen gesetzt. Unterschiedliche Stoffe werden heute verwendet, um den passenden Vorhang für jeden Raum bereit zu stellen.

Der Vorhang und seine Materialien, Muster und Farben

Je nach Region und Nutzen wurden für den Vorhang unterschiedliche Stoffe verwendet. Grundsätzlich stand über viele Jahrhunderte stets der Nutzen vor dem Design. Sowohl die Ägypter als auch später die Griechen und Römer setzten auf leichte Stoffe. Im kalten Norden als auch in Mitteleuropa hingegen kamen schwere, blickdichte Stoffe zum Einsatz. Der Vorhang von früher wurde aus den folgenden Materialien hergestellt:

Musterungen und Farben in den ersten Jahrhunderten

Die Ägypter gingen in Bezug auf Muster und Farben sparsam vor. So verwendeten sie kaum bis gar keine Muster oder Farben. Gleiches galt für die Zivilisationen der Griechen und Römer. Der weiße Vorhang erfüllte seinen Zweck bestens. Er schütze vor direkter Sonneneinstrahlung und Blicken und reflektierte UV-Strahlen.

Das Mittelalter machte den Vorhang üppiger

Erst im Mittelalter wurde auch das Design wichtig. Wer es sich leisten konnte, färbte seinen Vorhang in den deckenden Farben wie Rot oder Blau. Manchmal wurden auch Familienwappen und ähnliches eingestickt. Zudem spielte das Legen von Falten eine Rolle. Schließlich sollte der Vorhang nicht nur geschlossen, sondern auch geöffnet eine gute Figur machen.

Experimente und neue Wege in der Neuzeit

Während der beiden Weltkriege in Europa war das Thema Raumgestaltung und Einrichtung weniger wichtig. In den Jahren zuvor und später während der Industrialisierung jedoch wurden die Vorhänge jedoch immer farbenfroher und gestalterischer. Blumen, geometrische Formen sowie neue Farben waren und sind bis heute gefragt. Ausgefallene Ränder und einzigartige Vorhangstangen zogen nun in die Haushalte der Menschen ein.

Der Vorhang - eine fantasievolle Fensterdekoration

Detailreiche Verzierungen sind in der modernen Welt von heute gern gesehen. Die Fensterdekoration muss heute viele weitere Aspekte erfüllen, als nur vor Sonne und Blicken zu schützen. Das gilt sowohl für den Vorhang als auch für de Stangen, Schnüre, Quasten, Fransen und Quasten. Zu den bedeutendsten Herstellern zählen bis heute die Seidenweber von Lyon in Frankreich. Gerade zur Rokoko Epoche sorgen ihre Vorhänge für ein heiteres und sinnliches Lebensgefühl.