Woher kommt der Teppich? | Wohngeschichte Teil 2

Definition, Geschichte und Herkunft
Ein bunter Teppich in Produktion mit einem Webstuhl
Der Teppich begleitet den Menschen seit mehr als 2.500 Jahren

Mit unser 3-teiligen Serie der “Wohngeschichte” möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte einzelner Möbel und Textilien geben. Nachdem wir uns im ersten Teil das Sofa und seine Entwicklung angesehen haben, folgt nun die Geschichte des Teppichs. Schließlich darf auch dieses Textil in keinem Zuhause fehlen. In diesem Artikel erfahren Sie alles rund um die Teppich Herkunft und Geschichte. Darüber hinaus lernen Sie die Materialien, Farben, Arten und Typen kennen.

Definition - Was ist ein Teppich?

Ein Halbkreis mit Teppichen in den verschiedensten Farben

Unter einem Teppich versteht man ein textiles Flächengewebe. Dieses verfügt über begrenzte Abmessungen und wird entweder geknüpft, gewebt, getuftet oder gewirkt. Teppiche können aus tierischen, pflanzlichen oder künstlichen Textilien per Hand oder maschinell gefertigt werden und sie sind oft mit Mustern und Motiven gefärbt und verziert.

Übrigens: Während in Europa nur der textile Bodenbelag als Teppich bezeichnet wird, ist es im nahen Osten üblich, alle flachen Textilien mit diesem Wort zu beschreiben. Das gilt für sämtliche textile Bedeckungen für die Wände, wie Wandteppiche oder Tapeten als auch Tischdecken.

Woher kommt das Wort “Teppich”?

Der Begriff “Teppich” hat seinen Ursprung in verschiedenen alten Sprachen. Zum einen leitet sich das Wort vom altgriechischen τάπης „tápēs“ ab, was auf Deutsch so viel wie “Belag” bedeutet. Gleiches gilt für das lateinische Wort “tapetum”. Verwandt ist diese Bezeichnung auch mit dem persischen “täftan”, das übersetzt “spinnen” bedeutet.

Herkunft & Entwicklung - Die Teppich Geschichte

Die Geschichte des Teppich hat ihren Ursprung am Anfang der menschlichen Kultur. Damals wurden Flachgewebe mit geflochtenen Weiden hergestellt. Diese waren beweglich und einfach herzustellen. Diese Art der Herstellung gilt als die Vorstufe des Webens. Allerdings wurden Teppiche auch schon 500 v. Chr. geknüpft. Die erste deutsche Teppichfabrik entstand 1861 in Cottbus.

Ältester Teppich der Welt

Der Pazyryk-Teppich aus dem Eremitage in St. Petersburg
Der Pazyryk-Teppich

Im Jahre 1947 entdeckte Sergei Iwanowitsch Rudenko (russischer Archäologe) den “Pazyryk-Teppich” im Altai-Gebirge. Dieser gilt als der älteste Teppich der Welt, der noch erhalten geblieben ist. Geknüpft wurde er wohl zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. von den Skythen, den Vorfahren der Armenier. Heute wird er in der St. Petersburger Eremitage ausgestellt.

Die ersten Teppiche im Abendland

Im Verlauf der Teppich Geschichte gelangte das textile Flächengewebe auch in andere Regionen der Welt. So entstand wohl der Orientteppich auf Basis der Teppich-Erzeugnisse der alten Armenier. 330 v. Chr. brachte Alexander der Große nach einem Feldzug in Asien einen solchen mit ins Abendland. Da die Teppiche zu dieser Zeit aus vergänglichen Materialien geknüpft wurden, sind diese nicht erhalten geblieben.

Der Teppich und seine Ankunft in Europa

Tatsächlich Einzug nach Europa fand der Teppich aber erst um 710 n. Chr. über Spanien. Der Handel mit den Mauren (nordafrikanische Dynastie) brachte die Textilien in die Schlösser und Burgen der Adeligen und Wohlhabenden. Diese Ereignis gilt auch als Geburtsstunde der Teppichindustrie in Córdoba. Die Spanier lernten die Produktion von den Nordafrikanern.

Teppiche in der Renaissance und im Mittelalter

Eine kleine Sammlung von historischen Wandteppichen in der Farbe Rot

Vornehmlich setzte die europäische Oberschicht auf Wandteppiche. Im 11. Jahrhundert wurde diese meist mit der Bildwirkerei-Technik gefertigt. Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland konnte diese Herstellungsmethode im 14. Jahrhundert vollends ausbreiten. Seit 1570 werden Teppich aber auch in England, Flandern und der Niederlande hergestellt.

Die maschinelle Teppichfertigung in Deutschland

Leopold Schoeller gründete 1854 in Düren den Teppich-Kontor “Gebrüder Schoeller”. Schnell konnte sich das Unternehmen das preußische Patent für die sogenannten Druck-Teppiche sichern. Die erste industrielle Teppichfabrik wurde jedoch erst von Theodor Kühn 1861 in Cottbus eröffnet. Die Orientteppiche aus dieser Produktion konnten später Weltruf erlangen.

Orientteppiche “Made in deutschen Kaiserreich”

Ende des 19. Jahrhundert war der Orientteppich in Deutschland nicht besonders geschätzt. Die führenden deutschen Teppich Fabrikanten schlossen sich 1911 deshalb zusammen, um von der Reichsregierung ein Forum zur Verfügung gestellt zu bekommen. Anschließend stieg die Nachfrage under Absatz um das dreifache an – eine echte Konkurrenz zu den heimischen Webern und billigen Importe wurden sie aber nicht. Schließlich waren deutsche Orientteppiche teuer.

Industrieteppiche in der heutigen Zeit

Ein automatischer Webstuhl bei der Herstellung eines weißen Teppichs

Die große Mehrheit der modernen Teppiche werden maschinell gefertigt. Handgeknüpfte Exemplare sind zwar noch einzeln erhältlich, jedoch sehr teuer in der Anschaffung. Nachdem das 20. Jahrhundert auch die Teppichböden und Teppichfliese hervorbrachte sind Teppiche heute vorrangig in privaten Haushalten zu finden.

Materialien, Farbstoffe, Muster & Motive der Teppiche

Die allerersten Teppiche der Menschheit waren aus Weiden, Jute und anderen natürlichen Materialien hergestellt. Gern verwendet wurden außerdem Tierhäute und tierische Haare von Kühen oder Ziegen. Später folgten pflanzliche Fasern wie Baumwolle. Die Industrialisierung brachte schließlich die Kunstfaser nach Deutschland, die besonders widerstandsfähig und langlebig ist. Erfunden wurde sie 1938 in den USA und wurde seither für die Teppichproduktion genutzt.

Das Teppich Muster - Design im Trend der Zeit

Der östliche Einfluss in puncto Motive und Musterung ist bis ins 17. Jahrhundert omnipresent. Besonders beliebt waren die minimalistischen Musterungen der Perser-Teppiche als auch die geometrische Muster der Anatolier. Für die Färbung wurden zu Beginn tierische und pflanzliche Farbstoffe verwendet.

Materialien für die Herstellung von Farben (Indigo, Senf, Färbholz, synthetische Farbstoffe)

Teppichherstellung - Welche Teppicharten gibt es?

Die Teppichproduktion war zu Beginn ausschließlich eine handwerkliche Tätigkeit. Bis ins 18. Jahrhundert war die Handarbeit das Herz der Teppichherstellung. Ganze europäischen Orte wie Exeter, Axminster und Moorfields wären ohne die heimische Teppichproduktion per Hand nicht existent gewesen. Die Pommerschen Fischerteppiche sind ein gutes Beispiel dafür. Die einzelnen Teppich Typen können wahlweise mechanisch oder händisch hergestellt werden.

Der gewebte Teppich

Zu den beliebtesten Teppicharten gehört der gewebte Teppich. Die typisch abendländischen Exemplare konnten sich bis ins 19. Jahrhundert behaupten und wurden per Hand als auch maschinell hergestellt. Unterschieden werden gewebte Teppich anhand ihrer Beschaffenheit. So gibt es glatte Schlingen- und Noppen-Teppiche. Der Brüsseler Teppich ist ein bekanntes Exemplar.

Der geknüpfte Teppich

Eine weitere Form der Teppichherstellung ist das Knüpfen. Die handgeknüpften Teppich wurden in Deutschland auch als “deutsche Smyrna Teppiche” bezeichnet. Mit der Erfindung der Maschinen wurden diese auch mechanisch hergestellt.

Der getuftete Teppich

Die heute hergestellten Teppiche werden hauptsächlich getuftet. Dabei werden sehr Fadenschlingenin ein bestehendes Grundgerüst eingebracht. Diese Art der Teppichherstellung ist sehr preiswert. Allerdings geht dies zu Lasten der Langlebigkeit. So sind gewebte oder geknüpfte Teppiche deutlich haltbarer.

Teppicharten im 21. Jahrhundert

Verschiedene Arten und Farben von Teppichen in kleinen Quadraten zum anschauen und auswählen

Sämtliche Arten der Teppichproduktion gibt es noch heute. Jedoch hat sich das Sortiment deutlich erweitert. So gibt es heute Teppich spezielle für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flure. Auch wasserbeständige Exemplare gibt es, die auf Terrasse und Balkonen zum Einsatz kommen. Weitere Arten unterscheiden sich anhand ihres Formats. Zu den Teppicharten gehörten daher auch:

Extra: Seit wann gibt es automatisierte Webstühle?

Neue Technologien und Maschinen haben die Produktion von Teppichen deutlich günstiger und effizienter gemacht. Der erste automatische Webstuhl wurde 1785 von Edmond Cartwright entwickelt und patentiert. Wirklich betriebsfähig gemacht wurde er jedoch 1826 von Richard Roberts in Manchester. Der erste vollautomatische Webstuhl wurde vom Amerikaner Northrop 1889 entwickelt. Die Maschinen konnten sich jedoch erst viele Jahre später behaupten. Im 18. Jahrhundert war der Teppich ein Produkt, das per Hand in Heimarbeit hergestellt wurde.