Wabi Sabi - So perfekt unperfekt

Japanische Einrichtung besinnt auf das Wesentliche
Wabi Sabi heißt, sich auf das Wesentliche konzentrieren
Wabi Sabi heißt, sich auf das Wesentliche konzentrieren

Der japanische Wohntrend Wabi-Sabi steht seit einigen Jahren bei vielen Menschen hoch im Kurs. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es geht darum, die Dinge wieder bewusster wahr zu nehmen. Schlichtheit und Purismus sind hier die Schlagwörter. Schnell wird einem klar, dass beim Wabi-Sabi Einrichtungsstil mehr dahinter steckt, als nur ein paar Möbel, Farben und Accessoires. Auch 2021 ist der Wohntrend, ähnlich wie der Hygge, auf jeder Top 10 Liste wiederzufinden.

Doch wie genau funktioniert das Japanische Wohnen? Woher kommt der Begriff “Wabi Sabi”, was bedeutet er und vor allen Dingen, worauf gilt es bei diesem Wohnstil zu achten? – Diese und weitere Fragen möchten wir in diesem Artikel klären.

Der Begriff “Wabi-Sabi” - Was bedeutet er?

Wabi Sabi hat eine lange Tradition

Der Ursprung von Wabi Sabi liegt weit zurück. Im japanischen steht das Wort “Wabi” für “einsam”, “verlassen” oder “traurig” fühlen. “Sabi” hingegen steht für die Patina, Reife oder das Alter. In Kombination stehen sie also für “die einsame Reife” oder “die verlassene Patina”. Nun, das klingt im ersten Moment nicht besonders positiv. Jedoch sollte man diese Übersetzunge nicht all zu ernst nehmen. Schließlich geht es hier um einen Lebensstil, eine Philosophie in Verbindung mit einem Wohnstil.

Im Leben kommt es auf die kleinen Dinge an!

Der Wabi Sabi hat im Laufe der Zeit eine Bedeutung erhalten, die als poetisch zu bezeichnen ist. Es geht weit über einen klassischen Wohnstil hinaus. Die Philosophie lautet ganz klar, weniger ist mehr. Es geht darum, das Schöne im Unvollkommenen zu sehen. Deshalb werden für diesen Einrichtungsstil Gegenstände verwendet, die in einem anderen Stil aussortiert werden würden. Hier erhält altes einen besonderen Stellenwert. Durch diese Genügsamkeit besinnen Sie sich automatisch auf das Wesentliche.

Japanische Teezeremonie und Zen-Buddhismus

Im Wabi-Sabi Einrichtungsstil spielen Zen und Teezeremonien eine wichtige Rolle

Die Regeln und Weisheiten aus dem Zen passen hervorragend zu Wabi Sabi. Irgendwie gehören sie sogar zusammen. Den auch hier geht es darum, die Dinge bewusst wahrzunehmen, wertzuschätzen und zu genießen. Doch genug der Erklärung und Definition. Wie lässt sich nun im Wabi Sabi einrichten?

Japanisch einrichten - Darauf kommt es an

Der Wohnstil und die Philosophie des Wabi Sabi folgen Grundsätzen. Wenn Sie also ein Japanisches Wohnzimmer haben möchten, dann müssen die folgenden Dinge beachten:

#1: Schlichtheit

Die japanische Einrichtung ist nicht prunkvoll oder dekadent. Sie ist zurückhaltend und schlicht. Daher kommen nur die wesentlichen Dinge zum Einsatz, was zu einer optischen Leere führt. Hier wirkt nichts überfüllt oder voll.

#2: Nachhaltigkeit

Die Natur und die Umgebung spielen sowohl im Zen-Buddhismus als auch im Wabi Sabi eine wichtige Rolle. Mit diesem Einrichtungsstil wenden Sie sich vom seelenlosen Konsum ab und umarmen die Natur. Qualität statt Quantität.

#3: Organische Formen

Der Einrichtungsstil Wabi Sabi folgt dem Grundsatz der Naturmaterialien. Somit sind organische Formen ein zentraler Punkt.

#4: Zeitlosigkeit

Der schnelle Konsum bleibt vor der Tür. Gleiches gilt für unnötiges und billiges. Nur Möbel und Deko von Qualität und Nutzen dürfen integriert werden. Darüber hinaus muss nicht alle neu sein. Gebrauchte und alte Gegenstände sind sogar sehr willkommen. Alt ist das neue Neu. Schließlich geht es um das Wertschätzen, Pflegen und Genießen.

Welche Materialien und Farben kommen zum Einsatz?

Da es um das unperfekte, natürliche und wesentliche geht, kommen in der Wabi Sabi Einrichtung auch viele regionale Materialien zum Einsatz. Dabei ist die Formensprache jedoch entscheidend. Schließlich bleibt viel Freiraum. Hochwertigkeit und Verarbeitungsqualität stehen ganz klar im Vordergrund. Daher finden folgende Materialien Verwendung:

Natürliche Materialien machen den Einrichtungsstil aus

Alle Materialien einzeln für sich sind wohl oft nicht ganz so interessant. Doch im Zusammenspiel sorgen sie für eine harmonische Wohlfühlatmosphäre, die keinen Prunk braucht. Das pure und natürliche stich hervor. Dabei können die Wände gerne Grau, Weiß oder vollkommen frei sein.

Naturfarben und Cremetöne sorgt für sanfte Ruhe

In der minimalistischen Ausstattung kommen vorzugsweise natürliche und sanfte Farben vor. Die Wabi Sabi Wandfarbe ist daher keinesfalls mit auffälligen Mustern oder schrill-farbende Highlights versehen. Im Vordergrund stehen folgende Farben:

Sanfte, ruhige und deckende Farben sind ein wichtiges Merkmal im Wabi Sabi

Die sanften, gedeckten und manchmal auch erdigen Farben wirken grundsätzlich kühl. Jedoch strahlen sie in einer guten Kombination zumindest ein wenig Wärme aus. Es gibt nur wenig Abwechslung, wie durch ein zartes Blau oder Rose. Der Wabi Sabi ist ideal also, um zur Ruhe zu kommen, wie auch im Zen.

Die Deko und Möbel im Wabi Sabi

Im Wohnstil Wabi Sabi geht es eher ruhig zu, auch in Bezug auf die Möbel. So kommen formschöne Sofas sowie Hocker, Stühle und Tische aus Holz zum Einsatz. Sie sorgen für wärme und Geborgenheit und stehen für das Wesentliche. Das Japanische Schlafzimmer wird gerne mit einem Futonbett und unauffälligen Kommoden und Schränken bestückt.

Formen und Licht

Alles, was auf den ersten Blick nicht perfekt aussieht, ist im Wabi Sabi genau richtig. Kleine Makel, Gebrauchsspuren und Unikate sind es, die den Wohnstil so besonders machen. Asymmetrische Linien an Hockern und Bänken sowie mundgeblasene Vasen und Gläser stehen für Reinheit und Natur. Sie entsprechen nicht den heutigen idealen und sind daher auch weit entfernt vom schnelllebigen Konsum.

Durch raffinierte Schatten- und Lichtspiele können die Räumlichkeiten zu echten Einzelstücken gemacht werden. Sie wirken sich positiv auf die Atmosphäre aus. Harmonie, Inspiration und Beruhigung stimmen sich ein. Der Raum erhält eine individuelle Ästhetik, die von natürlichem Licht und Schatten geprägt wird. Klassische Lampen sind zwar erlaubt, jedoch in Maßen einzusetzen. Schließlich ist das Japanische Wohnzimmer kein Ort für helle und bunte Lampen.

Unperfekt und besinnlich durch Kintsugi

Hinter dem Wort “Kintsugi” versteckt sich eine alte, traditionelle Handwerkskunst, die vielen nicht bekannt sein dürfte. Dabei werden zerbrochenes Glas, Keramik oder Porzellan auf eine ästhetische Art und Weise wieder “repariert” beziehungsweise zusammengesetzt. Dabei werden fehlende Scherben ausgetauscht und für einen individuellen Look werden Urushi-Lack und goldene oder silberne Pigmente an den Bruchstellen aufgetragen. Diese Art der Dekoration wird im Wabi Sabi in allen Räumen verwendet. Das gilt im Wohnzimmer, im Flur sowie im Esszimmer und der Küche.